Glück auf!
und alles Gute
Manche Orte verschwinden irgendwann nicht nur aus dem Blickfeld, sondern ganz von der Landkarte. Das ehemalige Hotel „Glück Auf“ bei Falkenstein im Vogtland gehört inzwischen dazu.
Vor einigen Jahren führte mich eine meiner Touren hierher. Damals stand der große Gebäudekomplex noch oberhalb der Talsperre. Leer, vergessen und bereits deutlich vom Verfall gezeichnet. Einer dieser Orte, bei denen man sich heute fast wundert, wie selbstverständlich sie einmal zum Leben einer ganzen Region gehörten.
Errichtet wurde das Haus 1986 als Ferienheim des VEB Braunkohlenwerke Borna. Es war kein kleines Ausflugslokal irgendwo im Wald, sondern eine richtige Ferienanlage. Menschen verbrachten hier ihren Urlaub, saßen gemeinsam in der Gaststätte, gingen kegeln oder schwimmen. Nach der politischen Wende wurde aus dem Ferienheim das Hotel „Glück Auf“. Doch die neue Zeit brachte dem Haus keine dauerhafte Zukunft. Der Hotelbetrieb endete und irgendwann blieben die Gäste ganz aus.
Als wir Jahre später dort standen, war von diesem Leben nicht mehr viel übrig. Die Natur hatte längst begonnen, sich das Gelände zurückzuholen. Wo früher Urlauber ein- und ausgingen, herrschte Stille. Zurück blieben leere Räume und die Spuren einer Zeit, die damals noch gar nicht so weit entfernt erschien.
Genau solche Orte waren für mich immer das eigentlich Interessante an unseren Touren. Nicht, weil dort etwas Spektakuläres passieren musste. Sondern weil ein verlassenes Hotel etwas sehr Merkwürdiges an sich hat. Es wurde für Menschen gebaut. Für Gespräche, Essen, Musik, Urlaub und Begegnungen. Ohne diese Menschen verliert es plötzlich seinen gesamten Zweck. Die Zimmer bleiben, die Flure bleiben, die Türen bleiben – nur das Leben, für das alles geschaffen wurde, ist verschwunden.
Im November 2020 bekam die Geschichte des Hauses ein weiteres trauriges Kapitel. Ein großer Brand richtete erhebliche Schäden an dem ohnehin maroden Gebäude an. Danach war endgültig klar, dass es für das ehemalige Hotel kaum noch eine Zukunft geben würde.
Im Jahr 2026 kam schließlich das Ende. Die Ruine wurde abgerissen.
Heute kann man nicht mehr dorthin zurückkehren und nachsehen, was aus dem Ort geworden ist. Es gibt keine neuen Bilder mehr zu machen und keine Räume mehr zu entdecken. Was bleibt, sind alte Fotografien, Erinnerungen und vielleicht irgendwo noch die Urlaubsbilder jener Menschen, die hier lange vor uns ihre Ferien verbrachten.
Als wir damals durch das verlassene Hotel gingen, wussten wir natürlich nicht, dass wir einen Ort fotografierten, der einige Jahre später überhaupt nicht mehr existieren würde.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, weshalb wir diese alten Bilder heute noch zeigen.
Das Hotel ist verschwunden.
Die Erinnerung daran nicht.
– Thomas


