Hexenschloss

Und eine der schönsten Touren

Thomas, Juli 2026

Es war auf dem Heimweg aus dem Urlaub. Eigentlich wollten wir nur noch ein paar interessante Orte mitnehmen, bevor uns der Alltag wieder einholte. Schloss Vitzenburg stand schon länger auf meiner Liste. Also machten wir den kleinen Umweg.

Als wir ankamen, saß das Besitzer-Ehepaar ganz selbstverständlich im Garten. Keine Kasse, kein Besucherzentrum, keine Hinweisschilder. Wir kamen ins Gespräch, bezahlten zwanzig Euro pro Person und wenig später fiel hinter uns das schwere Schlosstor ins Schloss. Ein eigenartiges Gefühl. Plötzlich waren wir allein in einem Gebäude, das seit Jahrhunderten Menschen kommen und gehen sieht.

Es war ein warmer Sommerabend. Das Licht fiel durch die hohen Fenster und ließ den Staub in der Luft sichtbar werden. Vieles wirkte, als hätte man es einfach zurückgelassen. Ein altes Klavier stand noch immer an seinem Platz. In den ehemaligen Stallungen konnte man sich vorstellen, wie hier einst Pferde versorgt wurden. Jeder Raum erzählte eine andere Geschichte, ohne dafür viele Worte zu brauchen.

Natürlich kennen viele Menschen das Schloss heute als Schloss Falkenstein aus den Bibi & Tina-Filmen. Wer dort gewesen ist, erkennt die Kulisse sofort wieder. Doch ehrlich gesagt spielte das in diesem Moment kaum eine Rolle. Zwischen den alten Dielen, den leeren Sälen und den langen Fluren verschwimmt Film und Wirklichkeit sehr schnell. Übrig bleibt ein Ort, dessen Geschichte sehr viel älter ist als jede Filmproduktion.

Mich beeindruckte vor allem diese besondere Ruhe. Es war kein spektakulärer Lost Place voller Graffiti oder eingestürzter Dächer. Stattdessen wirkte das Schloss, als würde es einfach geduldig auf seine nächste Aufgabe warten. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich diesen Besuch bis heute nicht vergessen habe.

Als wir das Gebäude wieder verließen, wurde das Tor erneut aufgeschlossen. Draußen war es immer noch dieser warme Sommerabend, der langsam in die Nacht überging. Wenige Stunden später waren wir wieder zu Hause. Doch während der Urlaub längst verblasst ist, erinnere ich mich an Schloss Vitzenburg noch immer erstaunlich genau. Manche Orte schaffen das einfach.

– Thomas